Letzten Monat hast du den Coding-Agent für dein Team ausgewählt. Vielleicht war's Claude Code, vielleicht Codex, vielleicht Cursor. Mit ziemlicher Sicherheit hast du nichts von Google genommen — obwohl Googles Tokens (die Textstücke, die eine KI liest und schreibt, abgerechnet pro Million) einen Bruchteil von Anthropics kosten.
Dieser Reflex ist die ganze Geschichte. Google hat die billigste Inference der Branche — „Inference" heißt einfach, Modelle laufen zu lassen, und Google macht das auf eigenen TPU-Chips statt Nvidia-GPUs zu mieten wie alle anderen. Trotzdem tauchen seine Developer-Agent-Oberflächen — Vertex ADK, Jules, Gemini CLI, Antigravity — in keiner Adoption-Umfrage 2026 ernsthaft auf. Ein Agent, falls das Wort inzwischen bedeutungslos geworden ist, ist eine KI, die selbst entscheidet, was als Nächstes zu tun ist — nicht nur deine Frage beantwortet.
In sechs Tagen, vom 22.–24. April, öffnet Google Cloud Next 2026 im Mandalay Bay in Las Vegas. Die Session-Bibliothek ging am 24. Februar live, und der Workspace-Keynote-Teaser verspricht „Platform-Advancements in agentic AI" plus einen „Sneak Peek auf die 2026er Produkt-Roadmap". Übersetzt: Google weiß, dass es die Agent-Story neu starten muss, nachdem Anthropic am 8. April Managed Agents ausgeliefert und OpenAI am 15. April sein Agents SDK open-sourced hat. 😼
Hier die Inventur, mit der Google reinmarschiert. Vertex AI Agent Builder — ein Dach über drei Produkten: ADK (Agent Development Kit, das Framework, in dem du Agents schreibst), Agent Garden (Templates) und Agent Engine (die Runtime, abgerechnet pro vCPU-Sekunde — sprich: du zahlst für jede Sekunde, die ein virtueller Prozessor beschäftigt ist). ADK spricht inzwischen Python, Java, TypeScript und Go, und Google gibt über 7 Millionen Downloads an. Jules, der asynchrone Coding-Agent — „asynchron" heißt: er arbeitet im Hintergrund, während du was anderes machst — läuft auf Gemini 2.5 Pro und verließ die Public Beta im August 2025. Gemini CLI, ein Terminal-Tool, hat gerade eine Jules-Extension bekommen. Antigravity, die IDE.
Jetzt zum JetBrains AI Pulse vom April 2026, Umfrage unter 10.000+ professionellen Entwicklern. GitHub Copilot: 29% Nutzung im Job. Claude Code: 18% global, 24% in den USA/Kanada, mit dem höchsten Customer-Satisfaction-Score aller Tools — 91% CSAT, NPS 54. Cursor: 18%. Google Antigravity: 6%. Gemini-als-Chatbot für Code: 8%. Jules und Gemini Code Assist? Nicht mal separat gerankt. 😹
Das Preisgefälle macht das Ganze absurd. Gemini 3 Flash kostet 0,50 $ Input / 3,00 $ Output pro Million Tokens. Claude Sonnet 4.6 kostet 3,00 $ / 15,00 $ — Claude ist also rund 5× teurer pro Token, und Gemini 2.5 Flash-Lite ist eher 20× billiger. Der Gemini-API-Traffic lag im Januar 2026 bei 85 Milliarden Requests pro Monat, +142% Jahr-über-Jahr. Entwickler nutzen Googles Modelle offensichtlich. Sie bauen nur ihre Agents nicht auf Googles Plattform.
Die strukturelle Lücke ist nicht das Modell und nicht der Preis — es ist die Produktform. Anthropic hat eine meinungsstarke Coding-Oberfläche namens Claude Code ausgeliefert und sie zum Verb werden lassen. Google hat ein Buffet ausgeliefert: Vertex, ADK, Jules, Antigravity, Gemini CLI, Workspace Studio — plus den gerüchteweisen „Project Jitro"-Jules-Nachfolger, der über TestingCatalog durchsickert. Jedes davon lebt unter einem anderen VP. Jedes hat seine eigene Roadmap. Keines davon ist die Antwort, wenn ein Tech Lead fragt: „Was nehmen wir?" 🐈⬛
Radikale Vereinfachung auf der Next hieße: Workspace's, Cloud's und DeepMind's Agent-Oberflächen zugunsten eines einzigen Produkts mit einem Namen zu kannibalisieren. Das Org-Chart wehrt sich dagegen. Das kostenlose Gemma 4 (die Open-Weights-Modellreihe), die kostenpflichtige Gemini API, Vertex Agent Engine und Workspace Studio erzählen aktuell vier verschiedene Geschichten für vier verschiedene Käufer. Sogar Simon Willison, der jedes Gemini-Release bis zur Point-Version trackt, hat den April damit verbracht, über Gemini 3.1 Flash TTS und Gemma 4 auf iPhones zu schreiben — kein einziger Post über Vertex, ADK oder Jules. Diese Stille ist die Data.
Wenn du in Q2 2026 eine Agent-Plattform auswählst, achte während der Keynotes vom 22.–24. April auf drei Signale. Erstens: ein einziges benanntes Coding-Agent-Produkt, nicht noch eine Jules-Preview-Stufe. Zweitens: ein Default-Rezept „ADK auf Vertex", dem ein Junior-Entwickler an einem Nachmittag folgen kann. Drittens: ein Token-plus-Orchestration-Preis, der Anthropics rund 0,08 $/Session-Stunde für Claude Code sichtbar unterbietet. Alles darunter, und die Schleife „billige Tokens, null Mindshare" läuft weiter.
Liefer diese drei Dinge, und das Agent-Rennen ist bis Mai ehrlich ein Dreikampf. Liefer noch ein Buffet überlappender Betas, und Gemini wird zum Intel Inside der KI — billigstes Silizium in der Kiste, null Brand auf dem Deckel. 😾





